
In Zeiten steigender Preise ist jeder froh, wenn sich im alltäglichen Leben Einsparpotentiale bieten. Das Leben, explizit das Wohnen, wird immer teurer und der Blick auf die Nebenkostenabrechnung lässt so manchen Bewohner schier verzweifeln. Vor allem das kostbare Wasser wird in allen Haushalten rund um die Uhr benötigt. Schließen sich im Sommer auch noch Garten- und Poolbewässerung dem Kostenkreislauf an, dann kann einem das Wasser sprichwörtlich fast bis zum Hals stehen. Mit einem Gartenbrunnen können Sie ihre Wasserrechnung etwas senken.
Regenwasser sammeln
In Regenzeiten kann man das lebenswichtige Nass zwar in Zisternen oder Regentonnen auffangen und sammeln, doch auf den Wettergott hat leider noch niemand Einfluss. Während langanhaltender Hitzeperioden ist das gesammelte Regenwasser auch ganz schnell wieder verbraucht oder verdunstet durch die erhöhte Sonneneinstrahlung. Wer dann auf Leitungswasser zurückgreifen muss, der kann sich anhand der rasant drehenden Wasseruhr schon einmal ausmalen, welche Kosten demnächst auf ihn zukommen. Viele Haus- und Gartenbesitzer sehen in selbstgefördertem Wasser eine Möglichkeit, der Kostenspirale zu entkommen und setzen deshalb auf einen Gartenbrunnen im heimischen Ambiente.
Vielfältige Möglichkeiten der Brunnennutzung
Auf dem Weg zum neuen Projekt
Bevor es mit dem Bau des Gartenbrunnens so richtig losgehen kann, sollten einige wichtige Details Berücksichtigung finden. Zum einen macht wenig Sinn, an irgendeiner Stelle im Garten wie wild darauf los zu bohren, zum anderen ist dies ohne eine spezielle Genehmigung auch verboten. Die wichtigsten Schritte sind deshalb folgende:
- Wasserrechtliche Genehmigung bei der zuständigen Behörde einholen,
- beim örtlichen Wasserversorger nach der nötigen Bohrtiefe fragen,
- alternativ: Erkundigung in der Nachbarschaft nach bereits bestehenden Brunnen,
- Sicherstellen, dass sich keine Gas- oder Elektroleitungen im bevorzugten Bohrbereich befinden,
- Grundstück muss frei von Altablagerungen oder Schadstoffen sein,
- benötigtes Zubehör und Spezialwerkzeuge im Fachmarkt kaufen oder mieten,
- bei größeren Bohrungen eine Fachfirma zurate ziehen.
Rammbrunnen – ohne Schweiß kein Erfolg
- Verzinktes Stahlrohr per Vorschlaghammer oder geeigneter Ramme bis zum Grundwasserspiegel ins Erdreich treiben
- 1 Meter langen Rohre mit Koppelmuttern verlängern
- Mittels Löcher und Filter in der Rammspitze gelangt Wasser ins Rohrinnere,
- Filterung erfolgt
- Wasser gelangt über eine Tauchpumpe nach oben
- Zapfstelle am Austritt des Rammfilters installieren
Allerdings ist der Rammbrunnen wenig leistungsfähig und weist eine ganze Menge von Einschränkungen auf. So wird zum Erstellen eines Rammbrunnens lockerer Boden benötigt und maximal nur eine Tiefe von 7 Metern erreicht. Auch kommt es häufig vor, dass sich der integrierte Filter auf Grund von diversen Verschmutzungen sowie Kalk oder Eisen im Wasser zusetzt und der Rammbrunnen bereits nach 5 bis 7 Jahren seine Arbeit einstellen muss. Dann geht das Bohren und Rammen an anderer Stelle im Garten wieder von vorn los.
Schachtbrunnen – die teure Alternative
Die aufwendigste und zugleich teuerste Art des Brunnenbaus ist ein Schachtbrunnen. Schon alleine das für den Bau benötigte schwere Gerät verschlingt Unsummen an Geldern. Schwere Betonringe mit einem Meter Durchmesser werden Stück für Stück aufeinandergesetzt und in die Erde gegraben. Auf diese Weise sinkt der Schacht ganz langsam nach unten, bis auf ungefähr 10 Meter Tiefe. Sinnvoll ist diese Art des Brunnenbaus nur dort, wo Wasser dicht unter der Bodenoberfläche zu finden ist. Der Vorteil dieses Brunnens ist die jahrelange Wasserlieferzeit, der Nachteil ist in den immens hohen Kosten zu sehen.
Bohrbrunnen – die gängigste Lösung für Laien und Profis
Die wichtigsten Utensilien und Werkzeuge für einen Bohrbrunnen sind:
- ein Brunnen- oder Erdbohrer mit mindestens 5 Spiralen,
- Schubkarre,
- Dreibock mit einer Umlenkrolle sowie einer bestenfalls elektrischen Winde,
- Kiespumpe,
- Filterrohr sowie Vollwandrohr,
- Kantrohr und Gestänge,
- Saugschlauch und Schlauchgschelle,
- stabiles Kunstfaserseil,
- Auflager und Gewichte zum Beschweren,
- Schwengelpumpe oder Motorpumpe.
Vorgehensweise bei einer Brunnenbohrung
An ausgewählter Stelle wird damit begonnen, dass Bohrwerkzeug ganz langsam in die Erde zu drehen. Um die Erde herauszuheben, wird das Schneckengewinde des Erdbohrers zwischen den Bohrungen immer wieder herausgezogen. Die Bohrungen erfolgen solange, bis die Grundwasserschicht erreicht ist. Zu diesem Zweck lässt sich der Erdbohrer mittels einer Verlängerungsstange meterweise verlängern, in dem man das T-Stück entfernt, die Verlängerungsstange befestigt und das T-Stück wieder fixiert.
Für den Privatgebrauch sind Brunnenbohrungen bis einer Tiefe von 20 Metern möglich, allerdings lassen sich bei einem Bohrbrunnen Tiefen bis zu 100 Metern erreichen. Wird keine weitere Tiefe mehr erreicht, dann wird das Bohrrohr herausgezogen und das Filterrohr in das vorhandene Bohrloch gestellt. Bei dieser Vorgehensweise werden Vollwandrohr und Filterrohr zusammengeschraubt, bis ungefähr noch 1 Meter Rohr aus dem Boden herausragt.
Absenken der Pumpe
Sind alle Bohrarbeiten soweit erledigt, senkt man die Pumpe ganz langsam in das vorhandene, mit Wasser gefüllte Rohr ab und lässt es ganz vorsichtig auf Grund. Ruckartiges Ziehen sorgt dafür, dass sich Wasser, Sand und Kies in der Pumpe sammeln können. Erst nach mehrmaligem Ziehen wird die Pumpe dann wieder nach oben geholt und sorgfältig entleert. Diese Vorgehensweise lässt das Rohr Stück für Stück nach unten rutschen. Dabei gilt der Grundsatz: je höher das Gewicht beim Beschweren ist, umso schneller kann das Rohr auch in die Tiefe gleiten. Diesen Arbeitsschritt wiederholt man solange, bis der integrierte Filter ca. 3 Meter im Grundwasser steht. Erst wenn die endgültige Tiefe erreicht ist, beginnt man mit dem Verfüllen. Dazu wird der entstandene Raum um das Rohr mit Filterkies verfüllt, der das durchströmende Wasser filtert.
Klarpumpen und Inbetriebnahme
Der Gartenbrunnen ist jetzt fast fertig und mit dem Klarpumpen beginnt der Finalschritt. Das Klarpumpen ist ein Prozess der stufenweise erfolgt. Dabei wird der Brunnen mit einer Tiefbrunnenpumpe zuerst über einen Zeitraum von 3 Stunden nur mit der Hälfte der später eingesetzten Leistung betrieben. Auf diese sanfte Weise werden vorhandene feinere Sandanteile erfasst und abgepumpt. Erst wenn das Wasser völlig klar erscheint, ist der Gartenbrunnen einsatz- und betriebsbereit.
Attraktiver Blickfang von außen
Wer handwerklich begabt ist, der kann aus Holz oder Zement ein Kunstwerk schaffen, welches den Gartenbrunnen optisch in Szene setzt. Als Elemente der Brunneneinfassung können Mauerbruchstücke oder Klinkersteine herhalten, die mittels einer Mörtelmischung verbunden werden. Auch Holz, als beliebtes Naturprodukt, wertet einen Gartenbrunnen optisch auf. Waagerecht angebrachte Latten ergeben eine Holzverkleidung, an die sich wiederum dekorative Elemente befestigen lassen. Um sich das mühevolle Zurechtsägen zu ersparen, kann bei dieser Variante auch auf die im Handel angebotenen kompletten Bausätze zurückgegriffen werden.
Fazit
Ein Gartenbrunnen birgt viele Vorteile. Für das Gießen der Pflanzen oder das Rasensprengen muss kein teures Leitungswasser verwendet werden. Ein Umstand, der sich vor allem positiv auf die Wasserrechnung niederschlägt und auch der Umwelt zugutekommt. Allerdings sollte man bei aller Euphorie berücksichtigen, dass so ein Brunnenbau ein relativ aufwendiges Projekt darstellt, welches einer genauen Planung und Projektierung bedarf. Bevor es überhaupt losgehen kann, muss man verschiedenste Genehmigungen einholen, für die je nach Bundesland ganz unterschiedliche Behörden oder Kommunen zuständig sind. Bei Unsicherheiten während der Ausführung sollte man sich nicht scheuen, einen Fachmann zurate zu ziehen, da ein fehlerhafter Brunnenbau weitere Kosten nach sich ziehen kann.